ARD/ZDF-Medienstudie 2026: KI wird Alltag, Vertrauen bleibt die offene Frage

Bildnachweis: ARD/ZDF, Mediaperspektiven

Kurzantwort: Laut ARD/ZDF-Medienstudie 2026 nutzen 59 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren KI-Tools zumindest gelegentlich. Zwischen jüngeren und älteren Menschen liegen große Unterschiede. Zugleich begegnen 54 Prozent den Ergebnissen skeptisch. Für Unternehmen wächst damit ein zusätzlicher Rechercheweg; die Studie belegt für sich allein weder Kaufabsicht noch die Wirksamkeit von ChatGPT Ads (ARD/ZDF-Pressemitteilung)

KI ist für viele Menschen kein Experiment mehr. Das ist eine der auffälligsten Aussagen der am 22. September veröffentlichten ARD/ZDF-Medienstudie. Wer daraus sofort ableitet, dass Google-Suche, Social Media oder die eigene Website an Bedeutung verlieren, liest mehr in die Daten hinein, als sie hergeben. Die Untersuchung misst Mediennutzung und Einstellungen, keine Kaufabschlüsse von Marken.

Was die Studie tatsächlich erfasst

Für die Studie wurden 2.462 deutschsprachige Menschen ab 14 Jahren in Deutschland befragt. Die Erhebung fand vom 27. Januar bis zum 19. April 2026 statt; 70 Prozent der Interviews erfolgten telefonisch, 30 Prozent über ein Onlinepanel. Die zeitliche Einordnung ist wichtig: Die Ergebnisse beschreiben die damalige Nutzung, während Plattformen und Werbeprodukte sich weiter verändern. 

Die große Zahl lautet 59 Prozent: So viele Befragte nutzen KI-Tools zumindest gelegentlich. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 92 Prozent, bei Menschen ab 70 Jahren 15 Prozent. Das ist ein deutlicher Altersunterschied, aber keine Aufforderung, ältere Zielgruppen aus der digitalen Planung auszuschließen. Eine Agentur muss weiterhin prüfen, wie genau die eigenen Kundinnen und Kunden Informationen suchen. 

MesswertErgebnisSaubere Lesart
KI-Tools zumindest gelegentlich, ab 14 Jahren59 %Kontakt mit dem Medium, keine tägliche Nutzung
KI-Tools gelegentlich, 14–29 Jahre92 %Hohe Verbreitung bei Jüngeren
KI-Tools gelegentlich, ab 70 Jahren15 %Deutlich geringere Verbreitung
Skeptische Haltung zu KI-Ergebnissen54 %Vertrauensfrage bleibt offen
Quellenangaben als transparent empfunden43 % der KI-NutzendenQuellenklarheit ist ein erkennbares Bedürfnis

Die Werte stammen aus der Mitteilung von ARD und ZDF. Die unterschiedlichen Bezugsgruppen sind bewusst angegeben. Gelegentliche Nutzung, wöchentliche Nutzung, Tagesreichweite und Nutzungsdauer dürfen nicht vermischt werden.

Nutzung wächst, Vertrauen folgt nicht automatisch

Mehr als die Hälfte der Befragten begegnet KI-Ergebnissen mit Skepsis und sieht die Systeme vor allem als Werkzeuge, deren Antworten im Zweifel überprüft werden müssen. Unter den Nutzenden halten 43 Prozent Quellenangaben für transparent. Eine hohe Reichweite bedeutet also keineswegs, dass jeder generierten Antwort ungeprüft vertraut wird. Gerade bei erklärungsbedürftigen Angeboten kann der Weg von einer KI-Antwort zu einer nachvollziehbaren Originalquelle entscheidend sein. 

Einordnung: Die Studie zeigt die Verbreitung von KI-Tools. Ob eine bestimmte Marke dort auftaucht, angeklickt oder gekauft wird, muss das Unternehmen separat messen. Aus einer Bevölkerungszahl lässt sich kein individueller Return on Ad Spend ableiten.

Was sich im übrigen Medienmix zeigt

YouTube erreicht laut ARD und ZDF 71 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren; die öffentlich-rechtlichen Streamingangebote erreichen 56 beziehungsweise 51 Prozent. Bei den Audioplattformen liegt Spotify mit 44 Prozent vorn. Ein begleitender Fachbeitrag von Media Perspektiven beschreibt für wöchentlich genutzte Social-Media-Plattformen eine Phase der Konsolidierung und sieht Instagram vor Facebook. Auch hier ist auf die jeweilige Kennzahl zu achten: Reichweite eines Angebots ist nicht automatisch mit Werbereichweite, Kaufinteresse oder täglicher Nutzungszeit gleichzusetzen. ARD/ZDF · Media Perspektiven.

Drei praktische Folgerungen für Unternehmen

Erstens sollten Unternehmen typische Kundenfragen auf der Website konkret beantworten und Aussagen mit überprüfbaren Informationen belegen. Die Studie macht die Nutzung von KI-Tools sichtbar; ob die eigene Website für solche Recherchen gut vorbereitet ist, zeigt erst eine eigene Inhalts- und Sichtbarkeitsprüfung. Unser Beitrag zu KI-Sichtbarkeit und den Grenzen klassischer SEO vertieft diesen Punkt.

Zweitens lohnt sich eine Kanalplanung nach Zielgruppen und Aufgabe. Eine Marke mit jüngeren Kunden kann KI-gestützte Recherche früh untersuchen, während Video, Suche und Social Media weiter eigene Rollen erfüllen. Drittens sollten Teams bezahlte ChatGPT-Anzeigen getrennt von organischen Erwähnungen bewerten. Der Luxregia-Grundlagenartikel zu ChatGPT Ads erklärt diese Unterscheidung.

Checkliste für die nächste Marketingbesprechung: Welche Fragen stellen Kunden vor einer Anfrage? Welche Quellen belegen unsere Antworten? Welche Altersgruppen kaufen tatsächlich bei uns? Welche Kanäle bringen qualifizierte Besuche? Wo fehlen uns Daten? Erst danach ist eine Budgetverschiebung sinnvoll.

Fazit

Die Medienstudie zeigt eine verbreitete KI-Nutzung und ein klares Vertrauensproblem. Für Marketingteams ist das ein Anlass, ihre Informationsqualität und Messung zu prüfen. Es ist kein Beweis dafür, dass ein einzelner Kanal künftig alle anderen ersetzt. Wer die eigene Situation analysieren möchte, kann mit Luxregia die Fragen, Inhalte und Messpunkte für einen realistischen Kanaltest festlegen.

FAQ

Die ARD/ZDF-Forschungskommission hat sie beauftragt; die Erhebung übernahm GIM.

2.462 deutschsprachige Menschen ab 14 Jahren in Deutschland.

Diese Schlussfolgerung lässt die Studie nicht zu; sie misst keine Ablösung einzelner Recherchewege.

Quellen

MEDIA PERSPEKTIVEN. (o. D.). Detailseite-ARD/ZDF-Medienstudie 2026. MEDIA-PERSPEKTIVEN  V11. https://www.media-perspektiven.de/publikationsarchiv/2026/detailseite-ard-zdf-medienstudie-2026/ard-zdf-medienstudie-2026-video-audio-und-social-media

ARD/ZDF-Medienstudie 2026: Nutzung von KI-Tools nimmt Fahrt auf. (o. D.). ZDF Presseportal. https://presseportal.zdf.de/pressemitteilung/ard-zdf-medienstudie-2026-nutzung-von-ki-tools-nimmt-fahrt-auf

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